Unter „anderen Umständen“

Wir müssen sagen, ein wenig beeindruckt treten wir diesem Thema ja schon entgegen. Für die Recherche zu diesem Blogbeitrag haben wir uns durch einige Foren gearbeitet und mussten erschrocken feststellen, dass es dort ganz schön hart und rigoros zugehen kann, wenn es um das Thema Schwangerschaft geht. Wir wollen uns dennoch diesem Thema widmen und hoffen, dass wir mit unserem Beitrag aufklären und nicht ausschließlich polarisieren, denn eines ist klar, jede Frau, jede Mami, jede Schwangerschaft und jedes Baby ist individuellUnd das gilt es nie zu vergessen.

Die Fakten

Aber am besten beginnen wir mit den tatsächlichen Fakten. Was passiert mit dem Körper während einer Schwangerschaft.

Die Schwangerschaftshormone, die nun vom Körper produziert werden, bewirken, dass das Körpergewebe aufgelockert wird. Hier kommen wir auch gleich auf den Beckenboden, dessen Geflecht der Muskeln, Bändern und des Bindegewebes, sowie dessen umgebende Muskulatur betroffen sind. Diese Anpassungen sind für die Entwicklung des Babys notwendig.

Mit dem Heranwachsen des Babys dehnt sich die Bauchmuskulatur immer weiter, dabei weichen die Stränge der geraden Bauchmuskulatur etwas zur Seite. Auch werden die inneren Organe immer weiter verschoben.

Dadurch kann sich das Zwerchfell ab einem bestimmten Punkt beim Einatmen nicht mehr so gut senken und Schwangere haben dadurch oft das Gefühl, sie würden zu wenig Luft bekommen.

Im Laufe des zweiten Schwangerschaftsdrittels (4. bis 6. Monat), werden beim Herzminutenvolumen (das Volumen des Blutes, das pro Minute vom Herz gepumpt wird) und dem Blutvolumen (die Gesamtblutmenge eines Körpers) Maximalwerte erreicht. 

Die Hormonveränderungen bewirken auch, dass etwas mehr Urin produziert wird und das zunehmende Gewicht erhöht den Druck auf die Blase. Wenn der weicher gewordene Beckenboden überfordert ist, kann sich das durch ungewollten Verlust von Urin beim Husten, Niesen, Springen oder beim Bücken bemerkbar machen.

Das sind jetzt nur ein paar Punkte, die in dem Körper einer Frau in der Schwangerschaft vorgehen. Aber genau diese Punkte sind mitunter wichtig für unsere kommenden Argumente.

Kein Jumping Fitness in der Schwangerschaft

Erst einmal möchten wir uns verstärkt dem Beckenboden zuwenden. Der Beckenboden besteht aus drei Schichten und erfüllt im Alltag drei wichtige Aufgaben.

Entspannen, Anspannen und reflektorisches Gegenhalten.

Er hat zwei wichtige Eigenschaften für die Schwangerschaft. Seine Stabilität, um das Gewicht des wachsenden Kindes zu tragen und die Elastizität, um dem Wachstum nachzugeben und das Becken für die Geburt zu öffnen. Das heißt, obwohl er immer weicher wird, kann er das immer größer werdende Gewicht dennoch tragen. Während der Zeit der Schwangerschaft wird er also stark beansprucht und muss dafür nach der Schwangerschaft wieder trainiert und gestärkt werden.

Um den ohnehin schon stark beanspruchten Beckenboden nicht noch weiter zu belasten, wird zum Beispiel von Tätigkeiten wie schweres Heben und von Sportarten, die mit Springen zu tun haben, abgeraten. Für Frauen, die schon mit einem geschwächten Beckenboden in die Schwangerschaft gehen und dann jumpen, könnte es tatsächlich noch problematischer werden.

Das ist ein Grund, warum wir euch Mädels sagen, dass ihr in der schönsten Zeit das zweitschönste, Jumping Fitness, leider nicht machen solltet.

Ganz ehrlich, den Beckenboden zu trainieren, macht nicht wirklich Laune. Einen überbeanspruchten Beckenboden zu trainieren macht noch weniger Laune und nimmt dazu auch noch einiges mehr an Zeit in Anspruch. Und wir kennen das ja alle, wenn wir unmotiviert zum Sport gehen. Meistens bleibt das Training bei Unlust früher oder später auf der Strecke. Der Beckenboden ist aber für das alltägliche Wohlbefinden bis ins Alter einer der wichtigsten Muskeln, so dass wir uns eine „selbst angezüchtete“ Beckenbodenschwäche nicht antun wollen.

Das ist unser Hauptargument

Wer seinen Beckenboden soweit wie möglich in der Schwangerschaft schont und sich diese wunderbare Muskelgruppe in einem Rückbildungskurs wieder auf Trapp bringen kann, der kann sogesehen nach der Entbindung auch wieder schneller aufs Trampolin. Dort wird der BeBo dann weiter trainiert und stabilisiert. Da gehen doch alle Daumen hoch, nicht wahr?

Wie oben auch schon erwähnt, kann der erhöhte Harndrang “unangenehm” auf dem Trampolin sein. Darauf hat man in der Kombination „Schwangerschaft und Jumping“ tatsächlich keinen großen Einfluss.

Durch die erweiterten Blutgefäße kann es auch zu Kreislaufproblemen kommen. Das Herz hat einiges mehr zu tun, wie weiter oben beschrieben. Daher sollte der Sport, der während der Schwangerschaft ausgeübt wird, für das Herz-Kreislaufsystem nicht zu fordernd sein. Am besten trainiert man in der Schwangerschaft in der aeroben Zone. Diese wird beim Jumping Fitness immer wieder verlassen und die Gefahr, dass der Kreislauf bei zu anstrengendem Training in die Knie geht, ist recht hoch.

Das sind die medizinischen Hintergründe, die uns zu der Entscheidung gebracht haben, dass wir prinzipiell Schwangeren von Jumping Fitness abraten.

Natürlich gibt es hierzu auch richtige, nicht medizinische Gegenargumente aus dem wahren Leben, wie zum Beispiel, „was man bzw. frau schon vor der Schwangerschaft sportlich gemacht hat, kann sie auch während der Schwangerschaft betreiben.“

Ein anderes, sehr richtiges Argument ist, der Körper zeigt einer Frau in keiner anderen Lebensphase wie in der Schwangerschaft so exakt, was geht und was nicht. Den Kreislauf  einer werdenden Mami kann es auch wartend an der Supermarktkasse umfegen.

Man darf einfach nie die Individualität aller Schwangerschaften vergessen.

Andere Frauen berichten, dass sie in der einen Schwangerschaft noch einen Marathon vor der Entbindung liefen und bei der anderen Schwangerschaft nur auf dem Sofa lagen. Da sieht man, wie unterschiedlich die körperliche Verfassung sein kann.

Wir haben eine Mama aus unserem Team gefragt und sie hatte für uns folgende Info:

Nachdem was ich selbst erlebt habe, würde ich auf das Argument mit dem Beckenboden pochen. Diese Muskelgruppe nimmt man nicht bewusst wahr, daher wird sie immer ignoriert. Und plötzlich rückt sie ins Zentrum und man sagt plötzlich: Aha, dich gibt es und du erfüllst so unendlich viele Aufgaben, damit es mir gut geht. Schon der Gedanke an Windeln im Alter hat mich geschüttelt. Und dann muss man auf einmal einen Muskel, den man schon vor der Schwangerschaft nicht richtig gefühlt hat, trainieren. Und leider muss ich dazu auch sagen, dass das Training so unglaublich langweilig ist. Oder habt ihr schon mal eine Frau gesehen, die beschwingt mit ihrer Yogamatte unterm Arm an euch vorbei ging und trällerte: Juhu, ich geh zum Bebo-Training! Ich kenne keine, aber freue mich, wenn ich tatsächlich mal eine kennenlerne.

Dann muss ich ja gestehen, dass ich immer zu den supersportlichen Frauen gehört habe, die immer sagten, wenn ich mal schwanger werde, dann geh ich bis kurz vor meinem „Kreißsaal-Besuch“ laufen und nach der Geburt direkt ins Fitnessstudio. Darüber kann ich heute nur noch lachen. Mein einziges „sportliches“ Erlebnis war das, dass ich es bis zum ersten Baum meiner Laufbahn geschafft habe und mein Frühstück dort loswurde. Dann hat man auch keine Lust mehr auf Sport. Mein Körper hat mir selbst bei meinen Yoga-Übungen ganz genau gesagt: Bis hierher und nicht weiter.

Darauf kann man sich also als Frau verlassen. Deshalb denke ich, dass man beim Jumping irgendwann auch nicht mehr über das Schwingen hinauskommen wird. Es kommt der Punkt, an dem man von den Bauchmuskeln, die man zum jumpen braucht, verlassen ist. Dann ist die Puste so schnell weg und man muss dauernd auf die Toilette. Das nimmt einem dann eh die Lust. Jede werdende Mami, die auf ihren Körper hört (und der brüllt einen förmlich in der Zeit an), wird wohl nach kurzer Zeit sagen: Jumping Fitness ist so schön, aber ich kann grad nicht. Ich komm’ wieder.

Um nach der Rückbildungsgymnastik meinen Beckenboden zu trainieren und zu stärken. Und das mit ganz viel Spaß!